„Menschen für den Glauben begeistern - ist das heute noch möglich?“

Donnerstag, 18. Mai 2017

Dass die Interesselosigkeit deutscher Katholiken an ihrem Glauben weiter um sich greift ist nicht zu übersehen. Die Gründe dafür sind vielfältig, ebenso die Aufassungen darüber, wie man diesem Trend begegnen kann. Welche Wege zur Begeisterung für den Glauben zum Erfolg führen können, darüber sprach Kaplan Martin Popp bei der KLB Niedermurach.

Erwartungsgemäß schloss sich an die Jahreshauptversammlung der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) wieder ein Vortrag mit kirchlich-religiösem Inhalt an. In diesem Jahr konnte der Oberviechtacher Kaplan Martin Popp als Referent gewonnen werden. Er, der bekannt ist für seinen guten Draht zu jungen Menschen und auch deren Erwartungshaltung kennt, sprach über das anspruchsvolle Thema „Menschen für den Glauben begeistern - ist das heute noch möglich?“. Zunächst stellte Martin Popp fest, dass alle Menschen begeisterungsfähig sind. Diese Eigenschaft ist jedoch bei jeder Person, in jeder Generation und in jedem Kulturkreis anders ausgeprägt. In dem Wort „begeistern“ steckt das Wort „Geist“. Begeistert sein im christlich-katholischen Sinn bedeutet nicht Partystimmung, sondern erfüllt sein von jenem Geist, der aus dem Glauben erwächst. Dass Jugendliche sich für den Glauben begeistern können, beweisen immer wieder die Weltjugendtage mit dem Papst.

Das Überangebot an Freizeitgestaltungsmöglichkeiten, die Skandale innerhalb der Kirche und Kirchenaustrittsaufrufe wie kürzlich die von der AfD sind drei von vielen Gründen, welche die um sich greifende Interesselosigkeit junger Menschen am Glauben befeuern. Kaplan Martin Popp betonte, dass Kirchenbesuche und Erfolge in Zahlen gemessen nicht geeignet seien, die Glaubensbegeisterung anzuheben. Vielmehr müsse auf die heutigen Lebenswelten der Jugendlichen eingegangen, sie gehört und ernst genommen werden und ihnen das Gefühl vermitteln, angenommen zu sein. Er legte den Zuhörern nahe, sich intensiv mit dem Glauben zu beschäftigen, um immer tiefer zu verstehen, an was wir eigentlich glauben. Ein Spruch besagt: „Viele Freizeitangebote leeren den Geldbeutel, ohne das Herz zu füllen“. Glauben sei vornehmlich eine Herzenssache und soll auch emotional gelebt werden, denn gerade die Ausstrahlung eines Glaubenden wirkt überzeugend.

Der Geistliche machte klar, wie wichtig es für jeden Menschen ist, in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter zu leben. Dies werde prinzipiell in jedem Verein geboten. Die Kirche müsse jedoch herausheben, dass in einer Glaubensgemeinschaft etwas angeboten wird, das anderswo nicht zu haben ist. „Etwas Festes braucht der Mensch“ sagt Peter Hahne. Der katholische Glaube ist so etwas Festes, der dem Mangel an Orientierung nicht nur bei Jugendlichen entgegenwirken kann.

Gerade den katholischen Vereinen von Landvolk (KLB) und Landjugend (KLJB) komme eine besondere Rolle zu, betonte Kaplan Martin Popp. Hier könnten Jugendliche und Erwachsene in einer Atmosphäre der gegenseitigen Wertschätzung kreative Ideen für neue Formen der Gottesdienstgestaltung einbringen, diskutieren und aufleben lassen, aber auch Glaubensgemeinschaft erleben. Er legte der KLB-Vorstandschaft nahe, ihren eingeschlagenen guten Weg mit ihrer ansteckenden Begeisterung weiterzugehen, das kirchlich-religiöse Profil zu schärfen und zeigen, wie ein Leben im Glauben aussehen kann.

Kaplan Martin Popp ließ es offen, welcher Weg zur Begeisterung für den Glauben zum Erfolg führt, denn die Meinungen und Ansichten dazu sind so vielschichtig wie die Menschen, die danach suchen. Glauben ist in hohem Maß eine emotionale Gefühlssache und bedarf immer wieder überzeugender Vorbilder, denn nur wer selbst begeistert ist kann Begeisterung weitergeben. Letztlich könne aber kein Mensch für den Glauben begeistert werden, wenn er sich nicht dafür öffnet.

Bild: Josef Böhm