Amazonien-Synode und Schwerpunktthema „Leben im Wandel“

Dienstag, 14. Januar 2020

Es war ein gutes Zeichen, dass wir am Tag, an dem in Rom die Amazonien-Synode zu Ende ging, mit unserer Diözesanversammlung in unser neues Schwerpunktthema gestartet sind: „Leben im Wandel – wir handeln“! Entsprechend waren wir von der KLB mit Max Hastreiter und Udo Klösel auch beim „Regensburger Amazonien-Höhepunkt“ dabei, der am 24. November 2019 im Kulturzentrum Leerer Beutel stattfand. Gut 100 interessierte Gäste konnten hierzu von Domkapitular Thomas Pinzer und Beate Eichinger von der Fachstelle Umwelt & ökosoziale Gerechtigkeit begrüßt werden.

Gleich zu Beginn wurde man mit der Notwendigkeit konfrontiert, mit Blick auf den Klimawandel und die Bedrohung des Regenwaldes im Amazonasbecken zu handeln – wenn man bedenkt…

  • dass im Jahr 2019 der „Earth Overshoot Day“ bereits am 29. Juli war, d.h. bis zu diesem Tag hatte die Menschheit die Ressourcen, welche die Natur in einem Jahr wiederherstellen kann, verbraucht. Bildlich gesprochen lebt die Weltbevölkerung derzeit so, als hätte sie 1,75 Erden zur Verfügung. Die Menschen nutzen die Natur also 1,75-mal schneller, als Ökosysteme sich generieren können…
  • dass eben dieser „Earth Overshoot Day“ im Jahr 1987 noch auf den 19. Dezember fiel. Durch das hohe Konsumniveau in Industrie- und Schwellenländern sowie das schnelle Bevölkerungswachstum ist der Tag im Kalender innerhalb von gut 30 Jahren so weit nach vorne gerückt…
  • dass der deutsche „Earth Overshoot Day“ im Jahr 2019 bereits am 3. Mai war, d.h. mehr als drei Erden wären nötig, wenn die gesamte Weltbevölkerung auf dem hohen Konsumniveau von Deutschland leben würde…
  • dass der „Earth Overshoot Day“ beispielsweise 11 Tage später stattfinden würde, würden allein die Nahrungsmittelabfälle weltweit halbiert. Und das Datum würde sich durch eine Halbierung des CO2-Ausstoßes sogar um 89 Tage verschieben…

(vgl. www.umweltbundesamt.de/themen/earth-overshoot-day-2019-ressourcenbudget)

Mit seinem Wissen und seinem Charisma zog dann MISEREOR-Chef Primin Spiegel die Teilnehmenden in seinen Bann. Nicht nur, dass er selber jahrelang im Amazonas-Gebiet als Seelsorger wirkte, er selbst war Teilnehmer der Amazonien-Synode, und er konnte so aus erster Hand seine Eindrücke schildern.

So berichtete er von der besonderen Atmosphäre in der Synodenaula. Hierzu trug auch der Wunsch von Papst Franziskus bei, nach einigen Redebeiträgen immer wieder auch Minuten des Schweigens und des inneren Hinhörens einzuschalten.

Nicht zu überhören war die Stimme der Indigenen, die im Vorfeld der Synode gebeten waren, ihre eigenen Meinungen und Einschätzungen abzugeben. Dies darf man als Meilenstein in der Geschichte ansehen, und sie selber haben es so empfunden. Vor 500 Jahren seien die Europäer gekommen; sie hätten nicht angeklopft, wie man es ja normalerweise macht, wenn man wo hinkommt; und über all die Jahrhunderte hinweg hätten sie nicht gefragt und nicht angeklopft – bis jetzt, zum ersten Mal, im Vorfeld der Synode; auf Wunsch von Papst Franziskus hätte die Kirche erstmals die indigenen Völker gefragt und sie um ihre Meinung gebeten, zum ersten Mal hätte man angeklopft und zugehört.

Dass sich Papst Franziskus entschieden auf die Seite der indigenen Völker Amazoniens stellte, wurde auch offensichtlich angesichts scherzhafter Kommentare über einen Indio, der bei der Eröffnungsmesse der Amazonas-Synode im Petersdom mit traditionellem Federschmuck auf dem Kopf zum Altar gekommen war. Diese hätten ihn traurig gemacht. „Wo ist der Unterschied zwischen Federkopfschmuck und einem Birett, das einige Amtsträger unserer vatikanischen Behörden tragen?“, fragte der Papst.

Es folgte eine rege Diskussion mit Pirmin Spiegel, weiteren in Sachen Amazonien bzw. Klimaschutz Engagierten und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am „Regensburger Amazonien-Höhepunkt“, ehe der informative Nachmittag mit einer eindrucksvollen Missa Criolla in der Niedermünsterkirche zu Ende ging.

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