Inhaltsreicher Vortrag über „Geben und Nehmen in der Ehe“ bei der KLB Niedermurach

Dienstag, 22. Mai 2018

Ein persönliches „Beziehungskonto“ einrichten

Geben und nehmen, eine allgegenwärtige Lebenspraxis auf der ganzen Welt, die - so sie ausgewogen angewendet wird - durchaus gut funktioniert. Dieses Wechselspiel von geben und nehmen ist gleichermaßen in Staat und Kirche, in den Beziehungen von Mensch zu Gott, von Mensch zu Mensch und natürlich auch zwischen Ehepartnern. Bei seinem Vortrag zum Thema „Geben und nehmen in der Ehe - ich gebe, damit Du gibst. Ein funktionierendes System für die Ehe?“ gab es bei der Jahreshauptversammlung der KLB Niedermurach sehr interessante Anregungen für ein harmonisches Zusammenleben.

Niedermurach. (jb) Pastoralreferent Andreas Dandorfer von der Fachstelle für Ehe und Familie im Bistum Regensburg lenkte zunächst den Blick auf die Situation Gott und Mensch. „Warum macht Gott das nicht, obwohl ich schon oft darum gebetet habe?“ - eine von Gläubigen vielfach gestellte Frage. Diese Haltung bezeichnete er aber als falsches Gottesbild, denn sie basiere auf der Ansicht, „ich gebe, damit ich etwas erwarten kann“ und mache Gott quasi zu einem Automaten.

Auf die ehelichen Beziehungen eingehend machte Andreas Dandorfer deutlich, dass Verliebtheit und „normale“ Liebe sehr unterschiedlich zu bewerten seien. Während Verliebte keinerlei Forderungen zueinander stellen, steckt in der Liebe eines alltäglichen Ehelebens doch eine gewisse Erwartungshaltung. „Eine Beziehung wird ganz von alleine schlecht, wenn dem nichts entgegengesetzt wird“, warnte er und gab die Empfehlung, ein persönliches „Beziehungskonto“ einzurichten. Wenn dies gefüllt ist mit Ehrlichkeit, Vertrauen, Zuverlässigkeit, Dankbarkeit und Wertschätzung, so bringe dies das eheliche Zusammenleben voran und mache es stabil.

Überaus förderlich für eine Beziehung sei die Orientierung an dem Grundsatz „Mehr geben als nehmen, weil es gerechter ist“, zumal das Leben ja nicht nur aus Forderungen, sondern auch aus eigenen (Vor-)Leistungen bestehe. Er verwies auf Forschungsergebnisse eines US-Professors, wonach Negatives viel länger im Gedächtnis haften bleibe als Positives und fünf gut Dinge erforderlich seien, um eine Enttäuschung aufzuheben.

Der Referent zitierte aus Gary Chapmans Veröffentlichung „Die fünf Sprachen der Liebe“, deren Beachtung eine große Bereicherung für das alltägliche Eheleben bedeutet. Seine Gedanken zu diesem aktuellen Thema vermittelte Andreas Dandorfer auf lockere, ansprechende und bisweilen amüsante Weise und wirkte unter Einbeziehung seiner eigenen Eheerfahrungen sehr überzeugend. Er bedauerte, dass in der heutigen Zeit die Erwartungshaltungen, einhergehend mit Profitdenken, Raffgier und Unzufriedenheit, immer extremer werden. Dem sollte ein christlich geprägter Grundsatz entgegengestellt werden: „Zuneigung und Liebe braucht geschenkte Zeit“. Abschließend dankte KLB-Vorsitzender Alfons Wittmann dem Referenten für seine guten Gedanken und praktischen Anregungen in seinem kurzweiligen Vortrag, in dem sich die Zuhörer durchaus wiederfinden konnten, und überreichte ein Präsent zum Genießen.

Zum Bild:
Locker und überzeugend sprach Pastoralreferent Andreas Dandorfer im Gasthaus Gillitzer zum Thema „Geben und Nehmen in der Ehe“ und hatte dabei aufmerksame Zuhörer, deren Erwartungshaltung nicht enttäuscht wurde.

Bild: Josef Böhm