Persönlichen Begegnungen den Vorzug geben

Montag, 9. Dezember 2019

Niedermurach. (jb) „Lebe, was dich bewegt!“ Dieser Leitspruch der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) ist eine Aufforderung, sich mit den vielschichtigen Inhalten des täglichen Lebens zu befassen. Beim KLB-Familienbildungssonntag war die allgegenwärtige Digitalisierung ein zentrales Thema. Der KLB-Kreisverband Schwandorf in Kooperation mit dem Bildungswerk Niederbayern/Oberpfalz KLB e. V. hatte dazu nach Niedermurach eingeladen. Die KLB Niedermurach war Gastgeber im Pfarrheim St. Martin. Die Kreisvorsitzenden Monika Pürzer und Manfred Wendl begrüßten die Gäste, im Besonderen Bürgermeister Martin Prey sowie den Referenten Martin Schulze, Ehe-, Familien- und Lebensberater der Diözese Regensburg an der Beratungsstelle Straubing.

Martin Schulze sprach zum hochaktuellen digitalen Thema unter dem Titel „Ist da jemand?“ – Wie sich Familie, Beziehungen und Partnerschaft im digitalen Zeitalter verändern. Zunächst ermunterte er die Versammelten zu einer kurzen Meditationsübung, um ganz zu sich selbst zu finden, bevor er in den anspruchsvollen Vortrag einstieg. „Smartphones in Kinderhänden werfen bei den Eltern doch stets die Sorge auf: Wo sind die Kinder digital unterwegs?“, sagte Martin Schulze und machte deutlich, dass dies die sensible Frage nach sich ziehe, „wie viel Kontrolle einerseits und Vertrauen andererseits gegenüber den Kindern ist notwendig?“.

Er nannte die nicht von der Hand zu weisenden Vorteile der digitalen Welt wie zum Beispiel schnelle Nachrichtenübermittlung, Zugang zu umfassenden Informationen bis hin zur Möglichkeit der Schaffung von Arbeitsplätzen in ländlichen Gegenden oder bequemes Einkaufen. Er beleuchtete aber auch die Negativseiten wie den Verlust persönlicher Begegnungen, die zunehmende kriminellen Energie, die Verankerung persönlicher Daten im Netz oder den eigenen Zwang zur Zugehörigkeit in sozialen Netzwerken. Auf der ganzen Welt rund um die Uhr vernetzt und verfügbar zu sein berge auch das Risiko, entsprechend kontrollierbar zu sein. „Permanente Verfügbarkeit belastet Ehe, Familie und Partnerschaft“, mahnte der Referent und wies auf den damit einhergehenden Stress hin.

Im zweiten Teil seines Vortrags widmete sich Martin Schulze den zwischenmenschlichen Beziehungen. Anhand eines Kurzfilmes zeigte er, wie ungeheuer wichtig für die Entwicklung eines Kindes die Kommunikation zwischen Mutter und Kind ist. „Die Entwicklung des Selbstwertgefühls eines Kindes verlangt nach emotionaler Zuwendung“, forderte der Referent und wies auf die entsprechende Verantwortung der Eltern hin. Es sei ihm einfach unbegreiflich, wenn Eltern mit ihren Kindern unterwegs sind und anstatt ihnen ihre Aufmerksamkeit zu schenken das Handy im Blick haben.

Dasein, Präsenz und würdiger Umgang mit Menschen sind maßgebende Bausteine für ein unverzichtbares soziales Verhalten. Anrühren lassen, auf andere schauen, auf sich selbst schauen, wie es St. Martin vorgelebt habe, das wäre die richtige Antwort auf eine Zeile im eingespielten Abschlusslied, wo es hieß „Ist da jemand, der mein Herz versteht?“.

Ein tiefgreifender Vortrag, der die Zuhörer unmissverständlich herausforderte, sich in das soziale Netz zwischenmenschlicher Beziehungen einzubringen, anstatt sich in der Anonymität des digitalen Netzes einer virtuellen Welt zu bewegen. Angenehme Ruhe ausstrahlend, spannend, mit viel hintergründigem Humor gewürzt hatte Martin Schulze es verstanden, den aufmerksamen Gästen schwierige Lebenssituationen nahe zu bringen, Lösungen aufzuzeigen und dafür auch entsprechenden Beifall zu erhalten.

Während des Vortrags wurden alle Kinder in einem Gruppenraum des Pfarrheims bestens betreut. Nach dem Mittagessen begaben sich die Teilnehmer in die Pfarrkirche St. Martin, wo sie mit Kreislandvolkpfarrer Michael Hoch einen Gottesdienst feierten, dem die Chorgemeinschaft „Venite“ einen festlichen Rahmen gab. Beim anschließenden lockeren Zusammensein im Pfarrsaal konnten die Gäste bei Kaffee und Kuchen den Familienbildungssonntag ausklingen lassen.


Zu den Bildern:

Gespannte Aufmerksamkeit herrschte bei den Zuhörern während des Vortrags von Martin Schulze im Saal des Pfarrheims St. Martin. Die KLB Niedermurach war Gastgeber beim Familienbildungssonntag des KLB-Kreisverbandes Schwandorf.

Martin Schulze, ein Referent mit Tiefgang, ließ in seinem Vortrag auch die Zuhörer zu Wort kommen.

Text und Bilder von Josef Böhm