Pilgerfahrt zum Hl. Bruder Klaus nach Flüeli vom 09. bis 18. Aug. 2019

Freitag, 23. August 2019

Sie wurde wirklich zu einem unvergesslichen Erlebnis, die zehntägige Pilgertour in die Schweiz für die 27 Radfahrer, die am 9. August bei der Bruder-Klaus-Kapelle des KLB- und KLJB-Kreisverbandes Cham in Bernried gestartet sind. Nach sieben Tagen Radfahren mit Strecken von 70 bis zu 100 Kilometer, davon auch zwei Regentage, trafen sie am Maria-Himmelfahrts-Tag nachmittags fast zeitgleich mit weiteren 22 Buspilgern aus dem Landkreis Cham im Geburts- und Wirkungsort ihres Patrons, dem Hl. Nikolaus von Flüe in der Schweiz ein. Es folgten zwei weiteren Tage mit Erholung beim Wandern, Schwimmen, Spazierengehen, Gottesdienst feiern sowie Spiritualität und Kultur. Im Kreise der überaus harmonischen Gemeinschaft traten sie alle mit einem vollen Reisebus mit Radanhänger am vergangenen Sonntag die Heimreise nach Bayern an.
Die Planung oblag offiziell dem Diözesanverband Regensburg der Kath. Landvolkbewegung (KLB), der Flüeli schon vor vielen Jahren und nun in diesem Jahrzehnt schon mehrmals als Ziel einer Radwallfahrt ansteuerte, allerdings bisher immer in Landshut startete. Da die KLB und KLJB im Landkreis Cham in Bernried seit 31 Jahren eine eigene Kapelle hat, beschloss der Förderverein letztes Jahr, die nächste Pilgertour von hier zu starten. Diözesanvorsitzende Elisabeth Gassner und ihr Vorstandskollege Max Hastreiter, der zusammen mit Gerhard Gruber auch den Chamer Vereinsvorstand bildet, haben mit Geschäftsführer Klaus Hirn die Vorbereitung organisiert. Plante man Anfang des Jahres mit gut 20 Radfahrern, war man nach der Ausschreibung überrascht vom großen Zuspruch und startete letztendlich mit 27 Personen, darunter auch zwei Damen, die abwechselnd den Gepäck- und Lebensmitteltransport mit einem sieben Meter langen Sprinter durchführten. Koffer und Schlafsäcke und viel Proviant wurden in eigens eingebauten Regalen übersichtlich eingeschlichtet und sogar die zwei Räder der PKW-Fahrerinnen hatten noch Platz.
Die Teilnehmer stammten aus allen Ecken des Landreises Cham von Lam, Roding, Waldmünchen oder Rötz und kamen bis aus den Landkreisen Neustadt/WN, Regensburg, Tirschenreuth, Amberg und Nürnberg nach Bernried. Neun Ehepaare waren darunter und „nur“ ca. ein Drittel fuhr ein E-Bike, der Rest allein mit der eigenen Muskelkraft. Obwohl sich einige bis zum Start gar nicht kannten, sprang gleich der Funke über und der gemeinsame Weg und das Ziel schweißte die Gruppe schnell zu einer heiteren, harmonischen und hilfsbereiten Gemeinschaft zusammen.
Den Start an der Bruder-Klaus-Kapelle gestaltete Kreislandvolkpfarrer Ambros Trummer aus Lam mit einer kurzen Andacht und begleitete die Gruppe auf seinem Fahrrad (ohne E-Antrieb!) den ganzen ersten Tag. Dieser stellte sich sogar mit seinen 106 km über etliche Hügel als der schwerste und längste dar und forderte allen Teilnehmern einiges ab. Der Start stand unter keinem guten Stern, denn schon nach 25 km verhakten sich zwei Lenkergriffe und es gab den ersten Sturz. Ein „Achter“ in der Radfelge stellte das Weiterfahren für die Teilnehmerin vorerst in Frage, aber dieser erste Härtetest wurde gut gelöst: Während das demolierte Rad mit dem PKW nach Roding in eine Werkstatt gebracht und am anderen Morgen repariert wieder geholt wurde, konnte die Pilgerin mit dem Rad der PKW-Fahrerin weiterradeln. Besonders freute Pfarrer Trummer, dass er sein Wallfahrerkreuz am Radlenker, mit dem er jährlich bei der Wallfahrt zum Bogenberg voran fährt, am Abend an Klaus Schießl übergeben konnte, der seinem Namen dem Schweizer Heiligen zu verdanken hat, da sich seine Eltern einst in Flüeli kennengelernt hatten.
Die Strecke war eine echte Herausforderung, die die Leiterin Elisabeth Gassner hervorragend meisterte und dafür großes Lob aller Teilnehmer erntete. Denn bei diesem großen Tagespensum konnte man es sich nicht leisten, Strecken und Radwege zu suchen oder sich auch mal zu verfahren. Gassner hatte ein großes PC-Tablet am Lenker mit allen GPS-Daten der Strecke und den Haltestops und führte so stets souverän die Gruppe an, die von weiteren Teilnehmern hinten und seitlich abgesichert wurde. Disziplin war stets gefragt, da man des Öfteren Ortsverbindungsstraßen nutzte und dem gefährlichen Straßenverkehr ausgesetzt war.
Das erste Tagesziel lag am Freitag südlich von Regensburg, nach einem Badehalt an der Fähre in Matting südlich Sinzing wurde man in Herrnwahlthann bei Hausen im Gasthof erwartet. Nachts schlug das Wetter um und am Samstag startete die Gruppe bereits bei Regen, der jedoch aufgrund der warmen Temperaturen und vielen Regenponchos keine so großen Probleme bereitete. Über Mainburg ging es durch die Hallertau bis nordwestlich von Dachau nach Erdweg, wo im Seminarhaus der Landvolkshochschule der KLB auf dem Petersberg übernachtet wurde. Mit Bayerns Landvolkpfarrer Josef Mayer, der dort wohnt, feierten die Radpilger zusammen mit anderen Gästen Gottesdienst. Im „Stüberl“ saßen die meisten noch lange zusammen und lernten sich bei einer lustigen Vorstellungsrunde auch so richtig kennen.
Am Sonntag herrschte wieder bestes Radlwetter und die Gruppe fuhr nach einer kräftigen Brotzeit bei der Arena der Kaltenberger Ritterspiele zügig an Landsberg am Lech vorbei und erreichte nach einer Kneipp-Pause bei Bad Wörishofen das herrlich auf einer Anhöhe gelegene Hartenthal mit prächtigem Ausblick auf die bayrischen Alpen. Schwere Gewitter brachten nachts Regen für den ganzen folgenden Montag und sorgten für einen Temperatursturz, so dass dieser Tag der unangenehmste war. So konnte man den Zwischenstopp in Ottobeuren bei der imposanten Basilika nicht lange andauern lassen und nutzte ihn nur für eine kurze Andacht in der Bruder-Klaus-Krypta im Untergeschoss, für einen raschen Blick in das barocke Kirchenschiff und wieder mal für die Reparatur der inzwischen dritten Reifenpanne am selben Rad. Kurze Lichtblicke und Sonnenstrahlen gab es ausgerechnet bei den Pausen am Bauernhof bei Legau und in Leutkirch im Allgäu, wo einige sogar in den dortigen Stadtweiher baden gingen, während andere ein gerissenes Fahrradkettenglied austauschten. Bei strömenden Regen fuhr die Gruppe dann am Ziel in Kißlegg im Allgäu ein, wo am Rathaus schon die Gastgeber warteten, die die tropfnassen Radler in die Privatunterkünfte zu sich nach Hause mitnahmen, verköstigten und auch die ein oder andere nasse Wäsche trockneten.
Ab dem fünften Tag am Dienstag gab es dann keinen Regen mehr und in schöner Strecke erreichten die Radpilger den Bodensee, wo sie die Fähre von Friedrichshafen nach Romanshorn auf der Schweizer Seite bestiegen. In der Stadt Wil wartete das erste Selbstversorger-Haus mit Stockbetten in Gemeinschaftsunterkunft, günstig in der Altstadt gelegen. Die Pizza am Abend und der Wein kosteten hier schon das Doppelte wie in Deutschland, dafür sorgten viele Hände für ein reichliches Frühstück am Morgen. Ein unverhofftes Gnadengeschenk gab es für einige, die nach dem Abendessen noch zum Stadtplatz gingen, schallte ihnen doch klassische Musik in den altehrwürdigen Gassen entgegen. Mindestens 150 Chor- und Orchestermitglieder und internationale Solisten standen da auf einer Freiluftbühne und probten live für die zwei Tage später stattfindende Premiere der Oper „Pucchini“ in einer fantastischen Qualität, Präsenz und Beleuchtung.
Die schwerste Hürde hatte der Mittwoch zu bieten: Ging es zunächst noch schön flach zum schmalen Zürichsee, den man bei Rapperswil auf einer Brücke überquerte, so grüßte am anderen Ufer im Kanton Schwyz bereits der 950 m hohe Berg Etzel. Fast 7 km nur bergauf meisterte jeder einzeln in seiner persönlichen Fitness, manche mit Unterstützung der E-Biker. Am Gipfel angekommen wartete nicht nur ein herrlicher Ausblick und eine gute Brotzeit mit Kaffee, sondern auch eine 16köpflige Radlergruppe aus Niederbayern: ehemalige KLJB’ler aus dem Landkreis Landshut waren einen Tag später am Samstag gestartet, hatten das gleiche Ziel vor Augen, kamen auch nur eine Stunde später am anderen Tag in Flüeli an und übernachteten sogar im gleichen Hotel. Das musste natürlich mit einem Bergschnapserl gefeiert werden. Nach der sechs Kilometer langen Abfahrt der Passstraße und einem Bad im Sihlsee direkt vor den Toren von Einsiedeln waren die Strapazen schnell vergessen. Direkt hinter dem riesigen Klosterkomplex von Einsiedeln wartete im Holzhof wieder ein Selbstversorgerhaus auf die bayrischen Pilger. Das Abendessen war wie tags zuvor in einer Schweizer Pizzeria reserviert, zum Frühstück versorgte sich die Gruppe wieder mit ihrem eigenen Proviant. Der Himmelfahrtstag war auch in der Schweiz ein Feiertag, aber frisches Brot gab es zu kaufen.
Nach der religiösen Einstimmung, die jeden Morgen von Max Hastreiter vorbereitet und mit eigenem Pilgerheft durchgeführt  wurde, blieb noch Zeit für einen Besuch in der großen Klosterkirche Einsiedeln. Da das Begleitfahrzeug vor der Radgruppe am Vierwaldstättersee eintraf, wurde man in der Stadt Brunnen von der Nachricht einer Straßensperrung wegen Steinschlag überrascht. Der Weg zur Autofähre nach Gersau war weder für PKW noch für Radfahrer möglich, so entschied man kurzerhand mit dem Ausflugsschiff den See zu überqueren, was angesichts der vielen Fahrräder die Schifffahrtsgesellschaft erst telefonisch dem Personal genehmigen musste. Der PKW nahm die Umfahrung über die Autobahn von Luzern und die gewonnene Zeit und die gesparten 12 Kilometer nutzten die Radler bei schönem Wetter wieder für ein Bad im See, bevor die letzte Schlussetappe nach Flüeli angegangen wurde.
Kuriosen Pannen und Stürze blieben in der großen Gruppe auch nicht aus: Nach dem bereits erwähnten Sturz gleich in der ersten Startetappe gab es einen weiteren spektakulär aussehenden Unfall am dritten Tag, in den zwei Radler verwickelt waren, die aber mit nur kleinen Blessuren ungehindert weiterfahren konnten. Dass ein und dieselbe Person drei Mal einen Platten fährt war schon erstaunlich, wurde aber noch getoppt, als dieser dann umständehalber den Sprinter fuhr und auch hier der Reifen Luft verlor. Ein „gelber Engel“ konnte dann am Sonntagnachmittag vor Ort das defekte Ventil tauschen und so kam das Gepäck gerade noch rechtzeitig mit den Radlern im Quartier an. Da auch technisch erfahrene und entsprechend ausgerüstete Teilnehmer dabei waren, wurde auch die gerissene Fahrradkette vor Ort repariert oder Bremsklötze ausgetauscht. Selbst im Biergarten war man nicht gefeilt vor Zwischenfällen, ein Wespenstich an der Lippe vermieste dem Betroffenen das kühle Bier. Für die Brotzeitpausen gab es öfter einen passenden Unterstand in Bauernhöfen bei netten Leuten und mit den drei im Sprinter mitgeführten Tischgarnituren, Geschirr, Besteck und Lebensmittelboxen war die Gruppe an jedem Ort flexibel und selbstversorgerfähig.
Die glückliche Zieleinfahrt drohte ein kurzer Regenschauer beinahe noch zu vermiesen, doch konnten alle an der „Hohen Brücke“ zwei km vor Flüeli ihre Regenjacken wieder ausziehen. Die Nachricht vom Eintreffen der Buspilger wenige Minuten zuvor sorgte für Vorfreude. Allen voran Radler Klaus mit dem Wallfahrerkreuz traten die bayrischen Radpilger noch ein letztes Mal kräftig in die Pedale zum Endspurt nach 590 Kilometern die steile Anhöhe ins Dorfzentrum hinauf und wurden emotional von den nachgereisten 22 Buspilgern mit Applaus und großem „Hallo“ begrüßt. . „Ich habe Freude in meinem Herzen“ sang man frohgemut und sichtlich angerührt.
Gemeinsames Erleben. All die Erlebnisse und das Geleistete schweißte die Gruppe zusammen, die sich dann auch nahtlos mit den Nachgereisten in den letzten Tagen in Flüeli verband, um dann zusammen noch den Hauch dieses besonderen Ortes und der Ranft, dem Wirkungsort des Heiligen Nikolaus von Flüe, auf sich wirken zu lassen. Die Stätten des heiligen Nikolaus in der Zentralschweiz, ganz nahe am geografischen Mittelpunkt des Landes sind einzigartige, ursprüngliche und authentische Orte der Stille und des Friedens, Kraftorte für die Seele. Dort schöpften die 49 Teilnehmer Energie und tauchten in die geistige Tiefe des Einsiedlers, Mystiker und Friedensstifter Klaus ein. Auf dem Programm standen zwei emotionale Gottesdienste mit Pfarrer Ambros Trummer jeweils in der unteren und oberen Ranftkapelle. In letzterer befindet sich auch die Eremitenkammer des Klaus. Weiter wurde eine Wanderung zum 1309 Meter hohen „Chlisterli“ -einer Bruder-Klaus-Einöd-Kapelle- inmitten der Obwaldener Berge gemacht. Besichtigt wurden das Wohnhaus und das Geburtshaus in Flüeli, die erhaben stehende Dorfkirche, der Zelebrationsplatz und die Zeitkapsel drunten am Dorfplatz mit den Botschaften zum 600-jährigen Klaus-Jubiläum. Entlang des Meditiationssteigs „Weg der Visionen“ mit sechs Metallplastiken führte ein Spaziergang von Flüeli bis nach Sachseln, dort ein Besuch in der Grabeskirche von Klaus, in der sich auch die Eremitenkutte und das berühmten Radbild des Heiligen befinden. Einige machten einen Exkurs in das moderne Museum Bruder Klaus mit dem Titel „Vermittler zwischen Welten“. Es war auch genügend Zeit für Wanderungen, Spaziergänge und Radtouren, für gemeinsames Baden im Sarnersee oder für ein spontanes abendliches Zusammensitzen auf dem Dorfplatz von Flüeli. Ambros Trummer brachte es in seinen Ansprachen auf den Punkt: eine wunderbare Zeit in wertvoller Gemeinschaft, Traumtage in der Schweiz – dem Spiegelbild des Paradieses, gelebte Freundschaften und ein herrliches Miteinander an heiligen Orten. Besonders dankbar waren die Pilger für die spirituelle und gläubige Einigkeit und so dankten sie ihrem Herrgott dafür und brachten aber auch alle ihre Anliegen, Sorgen und Wünsche mit in den einzigartigen Wallfahrts- und Sakralraum des Bruders Klaus.
Autoren: Hutter Marietta, Hofmann Karl Heinz