Bildung für Kinder eine Herzensangelegenheit

Montag, 18. September 2017

Pater Thomas Varghese sprach beim afrikanischen Info-Abend der KLB Niedermurach

„Aus Träumen wird Wirklichkeit“ - dieser Untertitel in einem Videofilm brachte das Schulprojekt von Pater Thomas Chozhithara Varghese MSFS in Uganda auf den Punkt. Steffi Rettinger aus Nittendorf dokumentierte mit der Kamera das FOSTER-Schulprojekt vor Ort und lieferte beeindruckende Informationen über die Arbeit des Missionars des heiligen Franz von Sales in der FOSTER-Organisation in Uganda. Pater Thomas seinerseits berichtete vom Fortschritt seines Schulprojekts und erzählte von der erfrischend-fröhlichen Art, aber auch von erstaunlichen kulturellen Eigenheiten der Afrikaner.

Niedermurach. (jb) KLB-Vorsitzender Alfons Wittmann begrüßte die Anwesenden im Gasthaus Gillitzer, besonders den Referenten Pater Thomas Varghese, ein Geistlicher des Salesianischen Ordens mit indischer Herkunft, der Pfarrvikar in Undorf war, nun in Uganda arbeitet und als Urlaubsvertretung im Raum Regensburg anzutreffen ist.

Zunächst zeigte Pater Thomas einen Videofilm von Steffi Rettinger, der einen Einblick in das Leben eines ugandischen Dorfes und dessen sehr bescheidenen Unterkünfte und Wohnmöglichkeiten. Besonderes Augenmerk der Filmerin galt natürlich der Situation an der neuen Schule. Die Anwesenden erhielten eine Vorstellung über das gesamte schulische Leben, von der Unterrichtung der Kinder über Lernen, Sport und Spiel, Verpflegung, medizinische Versorgung usw.

Zu Beginn seines Vortrags beleuchtete Pater Thomas die soziale Situation auf dem Land, die familiären Besonderheiten sowie die vielen Schwangerschaften minderjähriger Mädchen und deren Folgen. Als Geistlicher wies er darauf hin, dass er Pfarrer für rund 14000 Bewohner ist. „Beim wöchentlichen Gottesdienst sind 500 bis 600 teilnehmende Gläubige normal“, betonte Pater Thomas und wies darauf hin, dass ein Erweiterungsbau für die Kirche in die Wege geleitet wurde, nachdem deren Anzahl stetig wächst. Der Pfarrer ist hier nicht nur Seelsorger sondern auch „Lösungsfinder“ in alle Richtungen.

Bildung ist für Pater Thomas eine Herzensangelegenheit, weshalb er sich schon seit Jahren für schulische Projekte stark macht. Bei der Eröffnung seiner Schule in Uganda, die für 100 Kinder ausgelegt war, kamen 223. „Kein Kind wurde abgewiesen“, berichtete Pater Thomas, „es wurde improvisiert bis jedes Kind einen Platz hatte.“ Inzwischen erfolgt der Bau von sechs zusätzlichen Klassenräumen, die im Januar 2018 fertig sein sollen. Das Schulprojekt ist eine Secondary School, also eine weiterführende Schule (vergleichbar mit Realschule und Gymnasium) mit dem Abschluss der Mittleren Reife oder des Abiturs. Finanziert wird der Schulbetrieb durch ein Schulgeld, durch Spenden und den Rest durch den Orden der Salesianer. Von den Ärmsten wird kein Schulgeld verlangt. Private Schulen erhalten von der Regierung keine Unterstützung. Das Schulgeld beinhaltet auch die Verpflegung aus der Schulküche.

Zur Schule gehört ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Kühen/Bullen, Schafen, Schweinen, Hühnern und anderem Geflügel. Da die Kinder sehr naturverbunden sind, arbeiten sie bei Pflanz- und Ernteaktionen auf den Feldern gerne mit und tragen zur 40-prozentigen Eigenversorgung der Schule bei. Außerdem ist jedes Schulkind verpflichtet, einen Baum zu pflanzen. 40 Prozent des Stromverbrauchs ist durch eigenen Solarstrom gedeckt, die Wasserversorgung erfolgt aus eigenen Tiefbrunnen. Ziel sei es, den Schulbetrieb weitestgehend unabhängig von der öffentlichen Versorgung zu machen.

Gerne beantwortete Pater Thomas die zahlreichen Fragen der Zuhörer wie z. B. über die Sicherheit des Landes und der Schule durch die Polizei, die hier wegen Fehleinschätzungen oder unangemessenen Schusswaffengebrauchs nicht zur Rechenschaft gezogen wird; oder die Korruption, die auf verschlungenen Wegen doch allgegenwärtig ist; oder Gewalt an Schulen (Schläge etc.), die er an seiner Schule strikt untersagt, was jedoch nicht immer im Sinne aller Familien ist.

Pater Thomas bat schließlich um finanzielle Unterstützung für seine werthaltigen Ziele, den Kirchenanbau und sein Schulprojekt, aber auch zur Unterstützung der Ärmsten in seiner Umgebung. Spenden können über den Verein „Maisha pamoja“ abgewickelt werden.

Pater Thomas berichtete, dass in seinem Dorf während der schlimmen Dürreperiode im Jahr 2016 Familien lebten, bei denen es nur einmal an jedem zweiten Tag zu essen gab. Der Überfluss in unserem Land und die Zeit des Hungers in Uganda forderte die Zuhörer geradezu heraus, aufmerksam zu werden für die Wirklichkeit.

Zu FOSTER:

FOSTER = Fransalian Organization for Social Transformation Education and Renewal (zu deutsch: Fransalische Organisation für soziale Transformation, Bildung und Erneuerung) wurde gegründet, um Straßen- und Waisenkinder zu unterstützen und ihnen Schutz, medizinische Behandlung, Schulbildung usw. zu bieten. Es ist ein Projekt der Missionare des heiligen Franz von Sales (Fransalians, MSFS ist das Ordenskürzel), Provinz Ostafrika.

Zu Maisha pamoja:

„Maisha pamoja“ e. V. („Gemeinsam leben“) ist ein gemeinnützig anerkannter, eingetragener Verein mit Sitz in 97450 Arnstein, der Zuwendungen für das Schulprojekt von Pater Thomas Varghese zu 100 Prozent an diesen weiterleitet. Spendenkonto: IBAN: DE28 7905 00000046 3375 07, BIC: BYLADEM1SWU, Verwendungszweck: P. Thomas-Foster-Uganda. Der Verein ist berechtigt, Spendenquittungen für das Finanzamt auszustellen. Wer mehr über den Verein wissen möchte (Ziele, Projekte, Spendenkonto usw.), kann sich im Internet unter www.maisha-pamoja.de informieren.

 

Zu den Bildern:

Sehr spendabel zeigte sich die KLB Niedermurach, die an Pater Thomas Chozhithara Varghese die großzügige Spende von 1500 Euro übergab, sowie der Gartenbau- und Ortsverschönerungsverein Niedermurach, der noch 200 Euro drauflegte. Auf dem Bild (von links) GOV-Vorstand Martin Stigler, Pater Thomas sowie die KLB-Vorsitzenden Monika Gillitzer und Alfons Wittmann.

Als Projektleiter vor Ort konnte Pater Thomas faszinierende Einblicke in Eigenheiten von Land und Leuten sowie in sein Schulprojekt in Uganda geben.

Bilder: Josef Böhm