Italienreise: Assisi - Arezzo - Ravenna der KLB Kreisverband Cham

Mittwoch, 12. September 2018

LANDKREIS CHAM. Eine intensive Kultur- und Pilgerreise nach Italien unternahm die Katholische Landvolkbewegung (KLB) des Landkreises Cham. Assisi in Umbrien, Arezzo in der Toskana und Ravenna in der Provinz Emilia-Romagna standen auf dem vielfältigen, geistreichen und kulinarischen Programm.

Es war eine Reise für die Geist, Seele und Leib. Wie schön es auf der Welt sein kann, konnte die 45-köpfige Gruppe aus dem Landkreis Cham und darüber hinaus schon bei der Fahrt durch die Regionen Italiens bis nach Assisi erleben. In Bozen stieg Organisator und Reiseleiter Alfons Messner zu, ein Studienfreund von Pfarrer Ambros Trummer. Die Pfarreien Lam und Lohberg veranstalteten zusammen mit dem KLB Kreisverband Cham um Lucia Wutz und Max Hastreiter sowie den Freunden und Förderern der Bruder-Klaus-Kapelle diese Fahrt. Messner verstand es, mit seiner aufschlussreichen und authentischen Art die Gäste fortwährend zu informieren und innerlich zu begleiten. Die Busreise mit Franz und Alex nahte dem ersten Ziel, vorbei am Lago Trasimeno, dem viertgrößten See Italiens. Umbrien, die italienische Region im Landesinneren, die an die Toskana angrenzt und häufig als das grüne Herz des Landes bezeichnet wird, ist bekannt für ihre auf Hügeln erbauten mittelalterlichen Städte wie Perugia, die dichten Wälder und die regionale Küche, die man in den folgenden Tagen reichlich genoss. In Assisi angekommen schlug man in Fontemaggio rund einen Kilometer oberhalb der Stadt die Unterkunft auf.

Auf den Spuren Franziskus

Eine Vormittagswanderung führte die Gruppe bergauf mit Panoramablick auf das darunter liegende Tal zu einer eindrucksvollen Ecke, zum Einsiedelkloster Eremo delle Carceri am Monte Subasio, der als der Berg von Assisi bezeichnet wird. Die Einsiedelei des Franz von Assisi, die im 15. Jahrhundert in der Nähe der Grotten errichtet wurden, die dem Heiligen und seinen Gefährten der ersten Stunde als Klause diente, ist noch heute von Mönchen bewohnt und befindet sich in einer steilen Waldschlucht 791 Meter hoch im umliegenden Naturpark inmitten eines alten Steineichenwaldes. Dort erlebten die Teilnehmer Stille, die Pracht und die Vergangenheit seiner Steine und spürten dem mystischen Einswerden des Franziskus mit Gott nach. Am Nachmittag stand die Innenstadt mit Unterstützung von Assisi-Kenner und Lohbergs Bierbrauer Moritz Huber auf dem Programm. Entlang Olivenhainen und Eselweiden spazierte die Gruppe hinunter. Dabei hatte man Sicht zur Festung Rocca Maggiore, die größere der beiden Burgen oberhalb des historischen Zentrums, direkt gegenüber thront die kleinere Anlage Rocca Minore. Alle Gebäude in den oft abschüssigen mittelalterlichen Straßen von Assisi wurden mit dem Stein aus der Region gebaut. Die Überreste des römischen Minerva-Tempels sind heute in die Kirche Santa Maria sopra Minerva auf der Piazza del Comune, dem lebendigen Zentrum der Stadt rund um den Brunnen integriert. Die romanische Kathedrale und Bischofskirche San Rufino ist die Taufkirche Franziskus und war einen Besuch wert. Ein weiterer Abstecher galt der Chiesa Nuova auf dem Gelände des Geburtsortes von Franziskus, dem Haus der Eltern Pietro und Pica di Bernardone. Im Kirchenraum befindet sich eine Stelle, wo der Heilige unter Hausarrest gestellt wurde, weil Franziskus die teuren Stoffe des Vaters zu Gunsten des Aufbaus von San Damiano verkauft hat. In einer belebten Straße um die Ecke führt ein kleiner Torbogen und ein Durchgang zu San Francesco Piccolino, der vermuteten Geburtsstätte des heiligen Franziskus. „Diese Kapelle war einst Stall für Ochs und Esel, hier wurde der heilige Franziskus, der Spiegel für alle Welt geboren“. So werden die Besucher des kleinen Bethauses mit einer Inschrift im Türbogen begrüßt. Die Parallelen zur Geburt Jesu Christi sind sehr auffällig und spiegeln die Grundwahrheit wieder, dass Franziskus sich auf macht, um Jesus Christus zu folgen und in seine Fußstapfen zu treten. Nächste Station war die Chiesa San Giacomo de Muro Rupto, also dem heiligen Jakobus dem Älteren geweiht. Sie wurde auf den Ruinen eines römischen Tempels neben der Stadtmauer erbaut. Der Reiseleiter lud ein, diese Oase der Einfachheit, Stille und Besinnung zu genießen. Höhepunkt und Ziel des Ausflugs, der durch einen Gewitterregen erfrischt wurde, war ohne Zweifel die Basilika San Francesco. Sie ist eine gewaltige Kirche mit den drei Ebenen Oberkirche, Unterkirche und Krypta. Als Grablegungskirche von Franziskus beherbergt sie den Steinsarkophag des Heiligen und gehört als Basilica maior zu den sieben ranghöchsten katholischen Gotteshäusern. Bekannt und berühmt sind die frühen Farbglasfenster und vor allem die Freskomalereien aus dem 13. Jahrhundert von Giotto und Cimabue, die das Leben des Franziskus sowie biblische Szenen darstellen.

Aufregende Appenin-Fahrt

Dann führte der Weg entlang eines Teilstücks des „Cammino di Assisi“ nach unten, bestehend aus unzähligen Pflastern, die mit Spendernamen aus aller Welt beschriftet sind. Der Gruß „Pax et Bonum“ - „Friede und Heil“, steht am Anfang und Ende des ungewöhnlichen Wegs, der die die Reisegruppe an den Fuß der Stadt zu einer Olivenölverkostung brachte. Der Blick zurück nach oben wurde belohnt: man war überwältigt beim Anblick des von der Abendsonne beleuchteten Assisi mit seiner herrlichen Gesamtansicht. Am nächsten Tag besuchte man mit der Basilika Santa Maria degli Angeli das untere Assisi. In ihr befinden sich die bedeutende Portiunkula-Kapelle und die Sterbekapelle des heiligen Franz. Schon musste die Gruppe Abschied nehmen, da die Weiterreise bevorstand. Gut, wer zuvor einen frühmorgendlichen Spaziergang oder beim abendlichen Flanieren den Flair des bewunderten Assisi genoss.
Die Busfahrt ging nördlich durch die Toskana nach Arezzo. Die auf einem Hügel gelegene Kathedrale Santi Pietro e Donato hat eine mit Gemälden versehene Gewölbedecke. Im gotischen Dom liegen die sterblichen Überreste von Papst Gregor X., der auf der Rückreise vom zweiten Konzil von Lyon in Arezzo verstarb und auf den das noch heute zelebrierte Konklave für die Papstwahl zurückgeht. Auffällig wirkte die künstlerisch moderne Altarraumausstattung dieser Bischofskirche aus dem 13. Jahrhundert, die als eine der eindrucksvollsten Bettelordenskirchen der Toskana gilt. In der Altstadt, einem wahren Kleinod mittelalterlicher Baukunst nahm man noch einen Blick in die Basilica di San Domenico. In ihr befindet sich das von Cimabue gemalte Ikonenkruzifix.
Es folgte eine aufregende Busfahrt durch den nördlichen Teil des Apennin, ging es doch in einem fort entlang von Serpentinen. Der gesamte Gebirgszug zieht sich übrigens längs durch fast ganz Italien. Und so erreichte man Ravenna in der Region Emilia-Romagna in Norditalien. Ravenna, die Stadt der Künste liegt unweit der Adriaküste und ist bekannt für seine in kräftigen Farben gehaltenen byzantinischen Wand- und Kuppelmosaike, mit denen viele ihrer Gebäude verziert sind und die zum Unesco-Welterbe gehören. Großen Eindruck erweckte die mächtige achteckige Basilika di San Vitale, die zu den bedeutendsten Kirchenbauten der spätantik-frühbyzantinischen Zeit zählt. In ihr verbinden sich Architekturformen aus dem oströmischen Reich mit typischen italienischen Bautechniken in der Zeit von Kaiser Justinian I. Daneben das kreuzförmige Mausoleum der Galla Placidia, der Tochter von Kaiser Theodosius. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten zählten das antike kirchliche Bauwerk Baptisterium der Arianer, die Basilika Sant'Apollinare Nuovo, eine dreischiffige Kirche im Zentrum sowie die majestätische Sant’Apollinare in Classe außerhalb der Stadt, die beide dem heiligen Bischof Apollinaris geweiht sind. Die Bezeichnung in Classe rührt von der antiken römischen Stadt Civitas Classis am damaligen und später versandeten Hafen von Ravenna her, der unter Kaiser Augustus zur Verteidigung der gesamten Adria zum zweitgrößten Kriegshafen des Römischen Reichs ausgebaut worden war. Das Mosaik der Apsis zeigt eine Darstellung der Verklärung Christi am Berg Tabor, in der Christus durch ein Kreuz symbolisiert wird. An den Innenwänden der Seitenschiffe stehen zehn Sarkophage aus griechischem Marmor und im Langhaus sind alle Bischöfe von Ravenna dargestellt.

Schifffahrt und Kulinarik

Der restliche Nachmittag stand zur freien Verfügung. Die Reisenden entschieden sich für einen Bummel durch die Stadt, profan genutzt oder kulturell angehaucht. Der Dom der Stadt, die Kirche San Francesco mit seiner grundwassergefluteten Krypta unterhalb des Chorraums, in der Fische schwimmen oder das Dichter-Dante-Grabmal wurden in Augenschein genommen. Der Abend hielt einen weiteren Höhepunkt bereit, eine Schifffahrt und ein erneut typisches Essen a la Italia am Hafen Porto di Ravenna, dem Kanal zur Adria. Um Mitternacht gratulierte man mit Ständchen und Wunderkerzen Pfarrer Ambros Trummer zu seinem Geburtstag. Das nahe Adriatische Meer war es auch, das ein Teil der Gruppe frühmorgens mit Taxis ansteuerte, um beim Sonnenaufgang einen Strandgang plus Schwimmerfrischung zu erleben. Am Ende der schönen Reise ließ man die Tage Revue passieren: Zurückdenken, Mitnehmen, Danken, in die Botschaft des hl. Franziskus hineinhören, die Schöpfung schätzen waren Überschriften. Nach einem solchen Aufenthalten weiß man, was hügelige Landschaften, ummauerte Städte voller Palazzi, Kirchtürme und malerischer Plätze; Weinberge, gewundene Straßen durch Flusstäler, Ausblicke auf Silhouetten von Zypressen und Pinien bedeuten: es sind die Bilder der Schönheit Italiens, welche die Gruppe ganzheitlich erleben konnte. Sinnbildlich verglich Alfons Messner es mit der glücklichen Verklärungsszene auf dem Berg Tabor, die nun wieder mit Freude und Dankbarkeit zurück ins das Tal des Alltags führt. Herausragend waren die gute Gemeinschaft der Gruppe im Alter von sieben bis 80 Jahren, der Optimismus und die erfrischend wohltuenden Gespräche – eine Seelenreise!

 

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